Essbare Wildpflanzen / Wildgemüse & Wildkräuter - eine Liste
Beitrag erstellt von Christian am 23.04.2011
letzte Änderungen von Christian am 16.06.2012
Durch den hohen Gehalt an Vitalstoffen, den intensiven Geschmack, den meist leichten Zugang selbst in städtischen Gebieten, der im Vergleich zu Zuchtformen deutlich besseren Lagerfähigkeit sowie die Tatsache, dass sie meist auch auf kargen Böden gut zurecht kommen und nicht kultiviert werden müssen, sind Wildpflanzen ausgezeichnet als Nahrungsergänzung geeeignet und ein wichtiges Standbein zur Selbstversorgung.
Zusammen getragen von verschiedenen Quellen und aus eigenen Erfahrungen stelle ich hier eine Liste essbarer Wildpflanzen (Wildgemüse und Wildkräuter) vor. Auch Arten, welche kultiviert werden, aber wild vorkommen (auch Obststräucher und Obstbäume) sind aufgeführt. Die Artikel entstanden aus einer Liste im Newsboard über Wildgemüse, Pilze und Wildkräuter.
Essbare Wildpflanzen / Wildkräuter - Anfangsbuchstaben A bis D
A
Ahorn
Nahrhafte, junge Blätter und am Stamm kann man die Ahornrinde melken, wie bei der Birke.
Apfelbaum
Bittere, nahrhafte und junge Blätter.
Adlerfarn
Man verwendet die stärkehaltigen Farnwurzeln im Winter, die
volkstümlich getrocknet und gemahlen Verwendung finden. Farnwurzeln
werden gereinigt, in Scheiben geschnitten und roh oder geröstet
gegessen. Auch andere Farnarten sind nutzbar wie Rippen-, Königs-, Schild- und Tümpelfarn. Nicht in größeren Mengen verwenden.
Aster
Die Blüten sind essbar.
B
Barbarakraut
Im Frühjahr werden die jungen Blätter roh verwendet, im Winter als Gemüse.
Bärenklau
Im Frühjahr werden die jungen Blätter
geerntet, solange sie
noch zusammengefaltet sind und hellgrün glänzen. Im Frühsommer werden
die Blattstängel gesammelt und roh verarbeitet. Später, im Sommer,
werden die fleischigen Stengel abgeschnitten und vor dem Verzehr
geschält, da sie dicht und rau behaart sind. Sie können nach wie vor roh
verzehrt werden; die ausgewachsenen Blätter sollten besser gekocht
gegessen werden. Die jungen Blütenknospen sind sehr zart und aromatisch
im Geschmack. Im Herbst werden dann die Samen genutzt. Bärenklau ist
blutdrucksenkend und verdaungsfördernd. Er wird auch Ginseng der
Europäer genannt. Verwechslungsgefahr mit den giftigen Doldengewächsen
(Schierling, Taumelkälberkopf, Hundspetersilie ) man unterscheidet ihn
jedoch von den giftigen Doldenblüter aufgrund deren kleineren, feiner
unterteilten bzw. stark gefiederten Blätter. Weiterhin kann man ihn mit
dem Riesenbärenklau verwechseln, der sich jedoch aufgrund seiner
imposanten Gare bemerkbar macht.
Immergrüne Bärentraube
Früchte.
Bärlauch
Junge Blätter, Blüten und Wurzel. Bärlauch ist in seiner anregenden,
harntreibenden Wirkung dem Knoblauch sehr ähnlich. Er regt Magensäften
an und hemmt Fäulnis - sowie Gärungsbakterien. Ein gemeinsames Merkmal
aller Lauchgewächse ist ihr Gehalt an ätherischem, schwefelhaltigem Öl,
dem eine anregenden, entgiftende und blutreinigende Wirkung nachkommt.
Bärlauch hilft bei Blähungen, Durchfall, Stoffwechselstörung und
Appetitlosigkeit. Bärlauch wird unwirksam bei Trocknen. Die kleinen
länglichen Zwiebeln des Bärlauch können wie Knoblauch verwendet werden
und werden im Herbst ausgegraben. Bärlauch kann man leicht mit der
Herbstzeitlosen und dem Maiglöckchen verwechseln. Bärlauch hat aber im
Gegensatz zum Maiglöckchen andere Blätter. Bei Bärlauch ist die
Blattunterseite matt und das gesamte Blatt weich. Beim Maiglöckchen ist
die Blattunterseite grün - glänzend und die Blätter fühlen sich fester
an. Die Maiglöckchen - Blätter haben meist zu zweit einen gemeinsamen,
runden Stengel, während das Bärlauchblatt einzeln grundständig an einem
Stiel entspringt. Die Blätter der Herbstzeitlose laufen auf einen
Stengel zusammen und sind somit im Gegensatz zum Bärlauch stiellos.
Das Saison-Kraut schmeckt am besten frisch zubereitet. 2-3 Tage (deutlich länger mit dem Blohm-Aktivator)
kann man die druckempfindlichen Blätter aber auch im Kühlschrank
lagern. Dazu den gewaschenen Bärlauch mit ein paar Tropfen Wasser in
eine Plastiktüte legen. Die Tüte aufpusten, verschließen und ab
ins Gemüsefach. Gefroren bleibt das Gewürzkraut länger haltbar. Einfach
fein hacken, in Tiefkühlbeuteln portionieren und im Gefrierfach lagern.
Leider verlieren die Blätter dadurch etwas an Aroma. Gut haltbar und
unkompliziert sind Bärlauchpesto und Bärlauchbutter. Das Pesto einfach
tiefkühlen oder in ein Einweckglas geben und mit einer Schicht Olivenöl
bedecken. Reste der Butter lassen sich ebenfalls ohne Probleme
einfrieren. Die meisten Inhalts- und Geschmackstoffe verliert das Kraut
beim Trocknen. Verzichten Sie lieber auf diese Form des Haltbarmachens.
Verwendung
in der Küche: Das beliebte Gewürzkraut ist vielfältig und begeistert
auch herzhaft zubereitet als Bärlauchfrikadelle. Egal wofür Sie
sich entscheiden, sowohl die zarten grünen Blätter als auch die kleine
weiße Zwiebel finden in der Küche Verwendung. Die Zwiebel wird wie
frischer Knoblauch eingesetzt. Die harten Stiele der Bärlauchblätter
können zum Kochen entweder ganz entfernt oder sehr fein gehackt werden.
Waschen Sie selbst gesammelte Blätter unbedingt vor der weiteren
Verarbeitung.
Beifuß
Das Kraut wird hauptsächliche als Gewürz genutzt und enthält
das ätherische Öl Cineol. Beifuss wirkt verdauungsfördernd,
magenstärkend und hilft bei Blähungen. Man erntet die oberen
Triebspitzen im Blütenknospenstadium.
Beinwell (Comfrey)
Die Sprossen kann man im Frühjahr, die jungen Blätter fast den
ganzen Sommer durch ernten und roh oder wie Spinat gekocht essen. Die
Zubereitung der Wurzel ist gleich wie bei der Kartoffel. Beinwell ist
sehr proteinreich und in ihrem Nährwert mit tierischem Eiweiss
vergleichbar. Beinwell enthält in den essbaren Blüten das für Vegetarier
so wertvolle Vitamin B12. Des Weiteren enthält das Kraut wertvolle
Pflanzenschleime, Gerbstoffe und Allantoin. Die enthaltenden Schleim-
und Gerbstoffe machen Beinwell zu einem Heilmittel bei Magen- und
Darmerkrankungen. Man kann Beinwellwurzeln auch pulverisieren und das
Pulver formen zu Plättchen. Sie werden hart wie Holz und schon haben wir
Kekse. Bevor sie hart werden kann man auch Beeren oder Öl dazu geben.
Wer Lust auf Süßes hat, saugt die Blüten aus. Bei Verrenkungen,
Zerringen, Prellungen und Knochenhaut - bzw. Sehnenscheidentzündung
lindert Beinwell aus Umschlag. Verwechslungsgefahr mit dem Fingerhut,
doch sind deren Blätter nicht so rau, sondern flaumig beharrt. Nicht in
größeren Mengen verwenden.
Berberitze
Frostgereifte Früchte und Blätter.
Bibernelle
Junge Blätter, Stengel und Samen finden Verwendung.
Bibernelle wirkt magenstärkend und hilft bei Entzündungen der oberen
Atemwege.
Birke
Den Birkensaft gewinnt man durch Anzapfen der Stämme, am besten im Frühjahr.
Eine Birke produziert etwa einen Becher Saft pro Tag: Rinde tief und
senkrecht einschneiden, Becher darunter hängen. Nach Anzapfen der Bäume,
immer die Wunde mit einem geschälten Ast schliessen. Das Anzapfen kann
man jede zwei Jahre wiederholen, ohne das der Baum zu Schaden kommt. Das
Birkewasser nie in einem Metallgefäss auffangen, der Saft sollte
schnell verbraucht werden. Man kann im Frühjahr die Zweige kappen, um
den Birkensaft fliessen zu lassen. Dieser Blutungssaft enthält im
Frühjahr bis 2 % Traubenzucker sowie wertvolle Mineralien. Die hellgelbe
Innenrinde, das sogenannte Kambium, schmeckt in Streifen geschnitten
und gekocht, ähnlich wie Spagetti. Die innere Rindenstücke in einem Topf
kochen bis die halbe Wassermenge verdampft ist und ein Brei entsteht.
Kambium nutzt man am besten wenn im Frühjahr die Säfte in die Bäume
steigen. Die Rinde von Bäumen nie rundherum ganz abschälen, da sonst der
Nährstofftransport über das Kambium abgeschnitten ist und somit der
Baum stirbt.
In Island verwendet man die getrockneten und zermahlenen
Blätter der Birken zum Würzen als Salzersatz. Dieses Salz ist besonders
bekömmlich, da es im Vergleich mit herkömmlichem Salz 60 % weniger
Natriumchlorid enthält. Man kann des weiteren als Salzersatz die Blätter
der Linden, Ulme, Ahorn, Pappel und Buche verwenden. Eine Delikatesse
sind die jungen, nahrhaften Blätter roh. Aus den Birkenblättern wird ein
harntreibender Tee zubereitet, der auch bei Nierensteinen hilft. Bei
Birken sind oft Pilze in der Nähe, die eine einzigartige Symbiose der
Natur widerspiegeln. Birke beinhaltet Saponine, ätherische Öle,
Gerbstoffe, Harze, in der Rinde ein methylsalizylathaltiges Öl und
Betulinsäure. Birke wirkt wassertreibend und unterstützt den
Heilungsprozess bei Rheuma.)
Birnenbaum
Knospen
Gewöhnliches Bitterkraut
Das junge Kraut wird als Kochgemüse genutzt, es empfiehlt sich jedoch den Sud wegzuschütten.
Bockshornklee
Die Blüten können ähnlich wie die beim Beinwell oder bei der Taubnessel ausgesaugt werden.
Borretsch
Blüten. Borretsch enthält entzündungshemmende Gerbstoffe,
ihre Wirkung nutzt man bei Hautkrankheiten. Boretschtee wirkt
blutreinigend und harntreibend, die Schleimstoffe lindern Husten und
Bronchitis.
Braunelle
Junge Triebe, Blütentriebe und Blätter werden genutzt. Die
Braunelle enthält Gerb- und Bitterstoffe, Fette, Harze und Öle, die sie
als Heilpflanze bei Entzündungen im Mund und Rachenraum sowie zur
Munddesinfektion prädestinieren. Der Tee aus den Blütenköpfchen wirkt
nervenstärkend.
Brennessel
Die Samen schmecken wie Mandeln. Das Kraut am besten mit
einem Handschutz pflücken und die feinen Härchen wegnehmen oder
abbrühen. So kann man die Brennessel nicht nur als Spinat, sondern auch
als Salatkost genießen. Brennesselblätter enthalten fast doppelt soviel
Proteine wie die Sojabohne und in reichem Mass Spurenelemente, Vitamin A
sowie wichtige Enzyme und Kieselsäure. Die Brennessel wirkt entgiftend
und blutreinigend, aber auch harntreibend. Brennesselblätter lassen sich
gut trocknen und bereichern als Pulver auch während des Winters unser
Essen mit wichtigen Mineralstoffen.
Brombeere
Die Blätter können im Winter genutzt werden, die Früchte beinhalten
viel Vitamin C und helfen gegen Heiserkeit. Als Gurgelmittel bei
Bronchitis und Halsentzündungen. Der Blättertee hilft des Weiteren bei
Grippe, Durchfall und Darmkatarrh. Bei Hautentzündungen hilft
Brombeerblättertee als Umschlag.
Buche
Buchecker, am besten
vorher die dünne Haut entfernen, junge Blätter und Rindenzubereitung
siehe Birke. Bei den Bucheckern vor dem Verzehr die grüne Schale
entfernen, die Buchecker enthalten Oxalsäure und Blausäure, deshalb
nicht zu viele essen. Werden sie geröstet, entweicht die Säure und man
kann grossen Mengen essen. Die Bucheckern können geschält, gemahlen und
der Brei gepresst in eine Gaze gefüllt werden. Das so gewonnene Öl ist
sehr schmackhaft, lange haltbar und enthält viel Eiweiss - 1 Kilo
Bucheckern ergibt einen halben Liter.
D
Disteln
Disteln besitzen mehr Eiweiß als Soja und haben einen hohen
Kalorienwert. Die Blätter von ihnen sind sehr gut nutzbar, die dicken
und saftigen Wurzeln können gekocht gegessen werden und die nahrhaften
Fruchtknoten schmecken nussähnlich.
Folgende Distelarten und Teile sind für die Wildküche sehr zu empfehlen:
- Eseldistel (Wurzel, Blätter und die jungen Sprösslinge als Gemüse. Blütenköpfchen wird zubereitet und gegessen wie die Artischocke. Früher presste man aus den Früchten Öl. Die Wurzeln sind inulinhaltig.)
- Golddistel (Blätter, Früchte und bekanntes Wurzelgemüse)
- Nickende Distel (Blütenköpfchen wie Artischocke und die geschälten Stengelteile als Gemüse. Die Nickende Distel ist eine einjährige Pflanze.)
- Kratzdistel (Die jungen Sprosse und die noch nicht aufgeblühten Köpfchen werden als Gemüse zubereitet. Bei der Alpenkratzdistel ist die Zubereitung als Wurzelgemüse volkstümlich bekannt. Kratzdistelarten sind meist einjährig.)
- Kohldistel (Blütenköpfchen wie Artischocke und junge Blätter)
Dost (Oregano)
Schmackhafte Blätter, Blüten und Stengel. Dost enthält ätherische
Öle, Harze und Gerbstoffe. Er wirkt schweiß- und harntreibend,
magenwirksam und krampflösend. Dost hilft bei Blähungen und Durchfall,
er desinfiziert den Verdauungstrakt.




























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