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Einige Gedanken zur Selbstversorgung

09.04.2010 13:05 von Christian Narkus (Kommentare: 0)

"Gedanken zur Selbstversorgung

Für uns ist Selbstversorgung weit mehr als nur einen eigenen Garten zu bewirtschaften oder auf dem Land zu leben. Die äußerlich praktizierte Selbstversorgung ist für uns der Ausdruck einer inneren Lebenseinstellung, die der materialistischen Weltanschauung entgegengesetzt ist.

Hast du dich schon einmal gefragt, was dein Glück ausmacht und wie du zu deinem Lebensglück kommst? Das materialistische System mit seiner Werbung versucht dir vorzugaukeln, dass Glück abhängig ist von gesellschaftlicher Position, von Verdienst usw. Nach dieser Philosopie ist Lebensgefühl und Glück nur durch Geld erwerbbar. Um sich ein möglichst großes Stück davon zu sichern, ist Konkurrenzkampf und die Ausbeutung der Natur und anderer Menschen nötig. Dieses unmenschliche System völlig in Frage zu stellen ist wahrscheinlich der erste Schritt zu einem menschlicheren und lebenwerteren Leben.

Wer in der Illusion lebt, dass Glück darin besteht. Sich alles kaufen zu können, der ist gezwungen, in diesem System mitzuarbeiten und sich mehr oder weniger darin zu fügen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ein solcher Mensch rennt von einer Wunschbefriedigung zur anderen, immer auf der Hetze nach mehrGlück und doch am wirklichen Lebensglück vorbeilaufend. Die Gesellschaft bietet alle nur erdenklichen Möglichkeiten für dieses sinnlose und selbstzerstörerische Spiel und die Werbung versucht uns diese schmackhaft zu machen. Als Folge davon quälen sich die meisten Menschen mit einen unbefriedigenden Job herum, um dann in der Freizeit von einem Befriedigungsobjekt zum anderen hetzen zu können. Soll das Sinn und Zweck des menschlichen Lebens sein?

Dieses ganze System funktioniert so gut, weil es gelungen ist, Arbeit und Freizeit völlig voneinander zu trennen und als unvereinbare Gegensätze darzustellen. Eine genaue räumliche und zeitliche Trennung der beiden unterstreicht diesen Gegensatz und ist gleichzeitig typisch dafür. Die Arbeit wird dargestellt als ein notwendiges Übel, als Zwang und Pflicht, die Freizeit jedoch als das Gegenteil davon. Gleichzeitig ist die Arbeit heute größtenteils unmenschlich geworden und vermag kaum noch einen Menschen zu befriedigen. Dadurch erzeugt sie auch den notwendigen Frust für ein einwandfreies Konsumverhalten, der Mensch versucht seinen Frust in der Hetze nach Wunschbefriedigung zu vergessen.

Das von der Gesellschaft gepredigte Glück steht logischerweise im Gegensatz zum Glück des Mitmenschen. Wenn Glück käuflich ist, dann bedingt seine Verwirklichung einen dauernden Kampf gegen alle anderen Menschen, denn diese werden dadurch zu Konkurrenten. Je egoistischer wir sind, umso mehr können wir auf Glück hoffen. Das ist die materialistische Philosophie. Der Krieg ist nur eine konsequente Weiterführung dieses Denkens und in solchen Gesellschaften früher oder später unvermeintlich. Und das soll uns wirklich glücklich machen? Daran dürfen wir wohl zweifeln!

So müssen wir uns also fragen, was für andere Möglichkeiten wir haben, glücklich zu sein. Wir sind glücklich, wenn wir keine Wünsche haben, nicht umsonst gibt es die Redewendung "wunschlos glücklich". Glück und Wunschfreiheit stehen in enger Beziehung zueinander. Also kann auch die Vermehrung der Wünsche nicht zu mehr Glück führen, sondern sie führt uns im Gegenteil vom Glück weg. Davon gibt uns die heutige Gesellschaft ein gutes Zeugnis. Die entscheidende Frage scheint also zu sein, wie wir unsere Wünsche einschränken können, bzw wie wir verhindern können, dass immer mehr Wünsche entstehen. Wir wollen uns hier nicht in philosophischen Erörterungen verlieren jedoch wird es jedem einleuchten, dass wir umso weniger künstliche Bedürfnisse brauchen, je zufriedener wir mit unserem alltäglichen Leben sind. Die ganzen künstlichen Bedürfnisse sind eigentlich nur Ventile für den Frust. Wenn wir also den täglichen Frust abbauen, dann haben wir schon einen wichtigen Schritt in Richtung Wunschfreiheit getan.

Neben der bereits dargestellten Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gibt es noch einen anderen wichtigen Grund für die Frustration des Menschen, und das ist seine Beziehungslosigkeit. Die meisten Menschen haben keine Beziehung mehr zu ihrer Arbeit, sie haben keine Beziehung zu ihrer Nahrung, sie haben keine Beziehung zu der Umwelt, in der sie leben, sie leben praktisch in Isolationshaft.

Die Selbstversorgung ist nun ein Ausweg aus dieser frustrierenden Situation des Menschen. Sie hebt die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit auf und bringt uns wider eine tiefe Beziehung zu unserem täglichen Leben. Das gibt uns ein völlig neues Lebensgefühl und führt zu einer Neuordnung der Werte. Die Gesellschaft versucht uns einzureden, dass der Wert einer Ware gleichbedeutend ist mit ihrem Preis. Dabei scheint es bei kritischer Betrachtung eher umgekehrt zu sein: je wertloser etwas für unser Leben ist, umso teurer wird es verkauft und erstaunlicherweise auch gekauft. Als Selbstversorger erkennen wir den wahren Wert der Waren und lassen uns von der Gesellschaft keine Wertmaßstäbe mehr vorschreiben. Dadurch werden auch solche Auswüchse wie die Lastzugweise Vernichtung von Lebensmitteln unmöglich.

Zwei grundlegende Probleme der heutigen Gesellschaft sind die Spezialisierung und die Zentralisierung, beide werden immer mehr auf die Spitze getrieben. Ohne sie wären die meisten heutigen Probleme gar nicht möglich, zumindest nicht in diesen Größenordnungen.

Eine übertriebene Spezialisierung bedeutet, den Überblick zu verlieren und das Ganze nicht mehr als solches zu erkennen. Das Spezialistentum führt zu einer total beschränkten Sichtweise, durch die der Mensch die Natur und letztlich sich selbst vernichtet. Ein Spezialist kann durch seine Arbeit nicht wirklich erfüllt werden, weil sie viel zu einseitig ist. Er wird im Arbeitsablauf zu einer Maschine, die auf möglichst große Leistungsfähigkeit auf einem ganz speziellen Bereich eingestellt ist. Das hat zwar eine unheimlich schnelle technische Entwicklung zur Folge, aber was nützt diese uns, wenn die Menschheit geistig nicht mithalten kann und sich infolgedessen selbst zerstört?

Eine übertriebene Zentralisierung bedeutet Machtkonzentration und das Bestreben, diese Macht auszunützen und auszubauen. Macht ausbauen bedeutet aber notwendigerweise, alle anderen möglichst schwach und abhängig zu machen. So ist jeder Mensch in der heutigen Gesellschaft davon abhängig, das die E-Werke Strom liefern, dass die Gemeinde Wasser liefert, dass die Oil-Company Benzin liefert, dass das hoch komplizierte Transportsystem funktioniert usw...

Atomkraftwerke sind genauso Ausdruck der übertriebenen Zentralisierung und Machtballung wie Atombomben. Dabei bringt eine Zentralisierung in diesen Größenordnungen gar keinen Vorteil mehr, weil die Organisation, Überwachung und die anderen notwendigen zusätzlichen Aufwände (z.B. Transportwege) einen ungeheuren Mehraufwand bzw Verlust bedeuten. Ei typisches Beispiel dafür: der moderne Bauer verkauft die gesamte Milchmenge an die Molkerei, diese verkauft den Milchüberschuß an die Firma, die Milchpulver daraus herstellt, das Milchpulver wird an die landwirtschaftlichen Genossenschaften verkauft und dort kauft es der selbe Bauer um seinen Kälbern die Milch zu ersetzen die er an die Molkerei verkauft hat, anstatt sie direkt zu verfüttern. Das muß doch für einen gesunden Menschen völlig absurd klingen, aber das wirklich absurde dabei ist, dass der Bauer von der Molkerei für die Milch wesentlich mehr Geld bekommt wie er auslegen muß, um die entsprechende Menge Milchpulver zu kaufen.

Da es sich hierbei kaum ein Perpetuummobile der freien Marktwirtschaft handeln wird, kann es sich nur um eine total absurde Subventionswirtschaft handelt, die natürlich letztendlich wir selbst bezahlen müssen.

Nun können wir nicht erwarten, dass die Machthaber die Spezialisierung und Zentralisierung abbauen werden, selbst wenn wir es verlangen, denn sie sind ja sozusagen ihre Machtmittel. Die einzige Möglichkeit ist, dass möglichst viele Menschen nicht mehr mitspielen. Und diese Möglichkeit bietet uns die Selbstversorgung. Selbstversorgung bedeutet die Spezialisierung und Zentralisierung wieder auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Wie in allen Bereichen ist es auch hier wichtig, ein vernünftiges Maß zu finden. Es ist weder vernünftig, wenn wir uns alles selbst herstellen, noch wenn wir uns überhaupt nichts mehr selbst herstellen. Wir müssen einen Weg in der Mitte zwischen diesen Gegensätzen finden.

Sich sein eigenes Gemüse selbst anzubauen ist sicher ein erster großer Schritt in diese Richtung, den jeder von uns verwirklichen kann. Wir verschaffen uns dadurch nicht nur gesundes und schmackhaftes Gemüse, sondern können auch eine völlig neue Beziehung zu unserer Nahrung und zur Natur aufbauen. Wer diesen Schritt geschafft hat, kann dann an weitere Schritte denken."

Quelle: baerenstamm.de

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