Das Wunder ist nicht ein Widerspruch zu den Naturgesetzen, sondern ein Widerspruch zu dem, was wir von diesen Gesetzen wissen.
Aurelius Augustinus

Tauschhandel, Nachbarschaftshilfe, Tauschringe und Tauschbörsen

Beitrag erstellt von Christian im Mai 2009
letzte Änderung: 12.04.2011


Tauschhandel ist ein altbewährtes Konzept, welches mit jedem Tag aktueller ist. Eine Tausch"währung" kann nicht besteuert werden, hilft dem sozialen Gefüge und macht Spaß. Die organisierte Nachbarschaftshilfe kann sowohl mit dem Nachbarn, weiter über Tauschringe in Vereinsform sowie über Online-Tauschbörsen stattfinden - auch in Mischform.


Als ehemaliges Aktivmitglied des inzwischen aufgelösten Tauschring Potsdam kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass so eine "Mikroökonomie" nicht immer einfach zu gestalten ist, doch sich das lohnt. Über fairen Handel hinaus lernt man viele interessante Menschen kennen.

Die drei Säulen einer funktionierenden Tauschgemeinschaft sind aus meiner Sicht
1. Eine klare Struktur mit konstruktiver Hierarchie (auf Respekt und Verantwortung basierend),
2. Die zueinander und zur Zielsetzung passenden, aktiven Menschen und
3. Das erfolgreiche Vermeiden von Widerständen.

Der Tauschring Potsdam scheiterte aus meiner Sicht vor allem an letzterem Punkt.

Der reformerische Gedanke des Zeit-Tauschens findet bisher in der Gesellschaft sehr viel Anerkennung und Zulauf. Nach wie vor werden neue Tauschringe gegründet – von Privatpersonen genauso wie von Institutionen. Das Potential, das im Zeit-Tauschring steckt, überzeugt: Eine gleichwertige Art der Zeit-Bewertung von Leistung mit dem Ziel, dass alle Menschen mit ihren Fähigkeiten Anerkennung erhalten können, unabhängig von Geldbeutel oder sozialem Status. In der Zeittauschring-Theorie steckt viel ausbaufähiges soziales und auch wirtschaftliches Potential. www.tauschringe.net/files/0610_Tauschringe_u_Regio_Capelll.pdf

Die Deckung der Währung eines Tauschrings besteht aus erbrachter Leistung und Vertrauen (doch nicht blindes).
Einige Vorteile:

1. Schuldenfreies (= zinsfreies) und steuerfreies Geben und Nehmen.
Der (Aus-) Tausch von Waren und Leistungen zwischen den Menschen ohne das Euro-Schuldgeld (oder Euro-gedecktes Regio-Geld) fördert soziale Kontakte und macht unabhängig.

2. Ökonomische Selbsthilfe
Über den Austausch im Tauschring kann man sich mit Dienstleistungen und Waren versorgen, die man sich sonst nicht leisten könnte, leisten würde, oder die nur schwer zu organisieren wären, wie z.B. Babysitting oder Hilfe bei bestimmten Arbeiten. Produkte finden leichter Abnehmer im Umfeld und erzeugen regionales Feedback. Machen Unternehmer auch mit, kann eine wachsende Wertschöpfungskette realisiert werden.

3. Kreativität
Menschen können sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen, indem sie ihre Fähigkeiten und das, was ihnen Spaß macht, ohne Druck des Arbeitsmarktes nutzbringend und selbstbewußt einsetzen.


Möglichkeiten:

  • Direkte Nachbarschaftshilfe bedarf keiner Administration und kann von jedem angeboten und in Anspruch genommen werden.
  • Tauschringe bieten in einer Stadt oder Gemeinde die Möglichkeit, ähnlich wie in einem offenen Verein Gleichgesinnte zu finden und so in einem größeren Kreis zu tauschen.
  • Tauschbörsen (nicht gemeint ist das FileSharing;) im Internet können sowohl von Einzelpersonen als auch von Tauschringen genutzt werden, um über den lokalen oder regionalen Bereich hinaus zu tauschen. Das Prinzip ist ähnlich den Kleinanzeigenmärkten - eben "biete und suche". Nur dass es keine Währung als Messlatte gibt.

Messung der Werte
Das Prinzip "Rasenmähen gegen alten Kühlschrank" oder was man auch immer tauschen will, erfordert manchmal eine Bemessung der angebotenen Werte. Hier ist Selbstregulierung einmal WIRKLICH möglich, denn wer etwas braucht, wird mehr dafür geben wollen. Auch der w.o. erwähnte Zeitfaktor (Zeitwährung, daher auch der Begriff "Zeit-Tauschring") ist ein sozialer Regulator, denn jede Arbeit wird gleichermaßen wert-geschätzt. Gibt es mehr als einen Anbieter, kann die Gegenleistung geringer ausfallen. Hierbei ist klar, dass die Prozesse zur Entstehung von Produkten weniger eine Rolle spielen, wie etwa der völlig an der Realität vorbei erzeugte Euro-Wert, den man als Messlatte natürlich noch im Kopf hat. Dennoch oder darum bietet gerade der Tauschhandel einen guten Weg, wieder mehr Macht über die eigenen Werte zu bekommen und diese nicht durch Finanzkrisen in Gefahr bringen zu lassen.
Im Vergleich zu Second-Hand-Shops zeigt der Tauschhandel seine Vorteile sehr gut: es fallen keine Kosten für Personal, Lager, Betrieb und Steuern an - was man tauscht, erhält man mit viel weniger oder gar keiner Entwertung zurück.

Übrigens, wie im Film "Der Geist des Geldes" angesprochen, war die menschliche Zivilsation auch früher keinsweg auf Geld, wie wir heute haben, als Tauschmittel angewiesen. Wenn wir es schaffen, eine neue Geldordnung zu etablieren, ohne Schuldschaffung und mit Leistung als Deckung, finde ich Geld okay.

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