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Franz Anton Mesmer - über den "animalischen Magnetismus"

20.02.2010 22:41 von Christian Narkus (Kommentare: 0)

"Ausgangspunkte des animalischen Magnetismus

Die Lehre geht auf den deutschen Arzt und Wunderheiler Franz Anton Mesmer(1734-1815) zurück, der um 1770 ein unsichtbares, die Natur durchströmendes "Fluidum" (Magnetismus) propagierte, das von besonders begabten Menschen (Magnetiseure) gesteuert und beeinflusst werden könne, um Krankheiten zu heilen. Die Grundidee muss im Zusammenhang mit den physikalischen Theorien Isaac Newtonsverstanden werden. Dieser hatte eine Anziehungskraft zwischen allen Massen (Gravitation) propagiert und war dabei von einer Art Ätherausgegangen. In ähnlicher Weise setzte Mesmer einen Äther voraus, eben jenes Fluidum, in welchem Kräfte zwischen lebendigen Körpern aufeinander wirken.

Mesmer verstand sich keineswegs - wie ein Teil seiner heutigen Anhänger - als Esoterikeroder gar Okkultist, vielmehr veröffentlichte er (in französischer Sprache) seine Arbeiten aufgrund von Beobachtungen und Experimenten. Sein Ausgangspunkt war die im 18. Jahrhundert entdeckte Tatsache, dass bestimmte Anordnungen verschiedener Metalle und Flüssigkeiten ein fluidum erzeugen, das Nerven und Muskeln reizt. Ohne Kenntnis der elektromagnetischen Phänomene griffen Mesmer und andere Wissenschaftler auf "vitalistische" Modelle zurück: sie nahmen an, einen unsichtbaren "Lebensstoff" gefunden zu haben, der den Organismus durchströmt und von geeigneten, medial begabten Personen auch ausgesendet werden kann. Nicht ausgeschlossen werden können indische und chinesische Vorstellungen, die in den Großstädten Europas damals bereits en vogue waren. Zumindest ist die Vorstellung des Lebensstoffes, welcher den Körper durchströmt identisch mit der indischen Konzeption von Pranaund der fernöstlichen Vorstellung des Chi.

Aus der damals gängigen, auf den Schweizer Arzt Albrecht von Haller(1708-1777) zurückgehenden Theorie, dass übersteigerte mechanische oder elektrische Anspannung der Nerven Krankheiten auslöst (noch heute sprechen wir vom "überspannten Nervenkostüm") entwickelte Mesmer die Vorstellung, dass sein Fluidum im Kranken ungleich verteilt sein könnte und er versuchen müsse, dies auszugleichen. (Möglicherweise hat dieses Modell seine Wurzeln schon in der antiken Säftelehre. Allerdings sind die vier Säfte nicht identisch mit dem einen animalischen Magnetismus sondern eben viererlei Formen wie Galle und Blut, die aufgrund ihrer Mischverhältnisse den Charakter des Menschen prägen sollen.)

Erfolge Mesmers

In den 1770er Jahren gelangte Mesmer zu europäischer Berühmtheit. Er reiste und behandelte bis zu 20 Patienten gleichzeitig. Die Behandlung bestand in Berührungen und rituellen Bewegungen seiner Hände, dem Schamanismusvergleichbar. Mesmer verwendete auch mit Wasser oder Sand gefüllte Gefäße, die er mit seinem "Magnetismus" auflud und den Kranken gegen hohe Honorare zur Verfügung stellte. 1784 jedoch erklärte eine wissenschaftliche Kommission der französischen Regierung (u.a. Lavoisierund Benjamin Franklin) den Mesmerismus für unwirksam und die Heilungen auf Einbildung beruhend. Nur der Botaniker Antoine-Laurent de Jussieuveröffentlichte ein Minderheitenvotum, das ein positives Urteil über Mesmers Verfahren ausdrückte; allerdings beruhe es nicht auf einem Fluidum, sondern auf der Übertragung von Körperwärme.

Nachdem sich Mesmer zur Ruhe gesetzt hatte, übernahm sein Schüler, der französische Adlige Marquis de Puységur, die öffentlichen Behandlungen und fand zahllose Nachahmer. Ungeachtet des wissenschaftlichen Urteils blieb der Mesmerismus unter der französischen und deutschen Oberschicht sehr populär. Mehrere Schulen und Fachgesellschaften wurden 1780 - 1790 gegründet. Unter Napoleonwurde er zwar als adliger Okkultismus unterdrückt, gelangte aber sofort nach dessen Sturz wieder zur Blüte. In Deutschland ging er in die Hauptströmung der Romantikbzw. romantischen Wissenschaft ein.

Wirkung auf die Geistesgeschichte

Der animalische Magnetismus floss in zahlreiche philosophische Ansätze ein. Gemäß Peter Sloterdijkkann SchellingsNaturphilosophieals eine umfassende Rationalisierung des animalischen Magnetismus verstanden werden. Auch Schopenhaueräußerte sich positiv und befasste sich im Rahmen seiner Metaphysik des Willens mit der Thematik. Friedrich Schlegelwidmete sich in seinen Tagebüchern ausführlich der magnetischen Behandlung einer Wiener Gräfin. Und auch Johann Gottlieb Fichtewidmete sich dem Gebiet und nahm sogar an magnetischen Sitzungen des Professors Karl Christian Wolfartin Berlin teil. LiterarischeZeugnisse, in welchen der animalische Magnetismus verarbeitet wird, sind die Erzählungen Die Tatsachen im Falle Waldemar von Edgar Allan Poe, Der Magnetiseur von E.T.A. Hoffmannund Der Zauberbaum von Peter Sloterdijk. In Mozarts Oper Così fan tutte tritt die gewitzte Despina als Doktor auf und kuriert mittels eines Magnets, den sie von Doktor Mesmer empfangen haben will, die gespielten Leiden der vorgeblichen Selbstmörder aus Liebeskummer Ferrando und Guglielmo.

Verdrängung durch naturwissenschaftliche Ansätze

Im gleichen Maße, in dem sich die rationalen Naturwissenschaften schließlich durchsetzten, wurde der Mesmerismus ab ca. 1830 aufgegeben, bzw. auf seine suggestiven/psychischen Effekte reduziert. Eine gewisse Ähnlichkeit findet man in der Hypnoseund ähnlichen Suggestionen, die in der Psychotherapiebis heute genutzt werden..."

-> entdeckt unter www.lumrix.de

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